Erfüllt, bewegt, ergriffen, motiviert, beschwingt, erfreut und mit einer positiven Kraft erfüllt. Die Gefühlslage beim letzten (virtuellen) Treffen der Projektgruppe zum  Tag der Gewaltfreien Kommunikation schwang recht hoch. „Der nationale Gedenktag ist noch sehr jung. Doch es scheint, als hätte unser Baby in diesem Jahr laufen gelernt.“ Die Bilanz der drei Frauen und Männer, die seit Monaten auf den 6. Oktober hingearbeitet hatten, fiel durchweg positiv aus.

Hunderte von Menschen in Deutschland, Österreich und der Schweiz kamen am Geburtstag des GFK-Begründers Marshall B. Rosenberg zusammen, um den Gedenktag mit Leben zu füllen. Die Management Akademie in Weimar lud beispielsweise gemeinsam mit neun GFK-Trainier*innen dazu ein, die Gewaltfreie Kommunikation (GFK) in verschiedenen Anwendungsbereichen, wie Beruf und Alltag, kennenzulernen. Mehrere Dutzend Teilnehmer nutzten die Chance, sich ihr individuelles Programm zusammenzustellen, um zu lernen, zu diskutieren oder sich in Selbstempathie zu üben.

„Eine Sprache des Lebens rockt den Niederrhein“. Mit dieser Überschrift betitelte das GFK-Netzwerk am Niederrhein eine Pressemitteilung, die zum Nachgang des eigenen Aktionstages in der Begegnungsstätte am Schwanenring in Moers an die Medien versandt wurde. Knapp zwei Wochen vor Beginn ist die Veranstaltung restlos ausverkauft. Empathie-Engel schenken an diesem Tag Aufmerksamkeit – hören einfach zu, geben keine Ratschläge, zeigen Präsenz. Parallel dazu: neun fesselnde Workshops, die in vielerlei Hinsicht bewegen.

Um Spiel, Spaß, Selbstfürsorge und vieles mehr ging es in Murnau. 100 Buchungen, Eltern, Paare, Führungskräfte, Arbeitnehmer, Selbstständige oder Menschen im Ruhestand: sie alle waren gekommen, um mehr über die Gewaltfreie Kommunikation zu erfahren.

In Berlin waren es in erster Linie Trainer*innen, die sich wieder einmal getroffen und einander angenähert hatten. „Die Stimmung war sehr gut. Es scheint, als würde hier endlich wieder etwas zusammenkommen“, konstatierte Christian Peters aus der Hauptstadt, während sich zur gleichen Zeit eine kleine Gruppe GFK-Anhänger*innen in Frankfurt auf die Straße begeben hat, um kostenlose Umarmungen (Free Hugs) zu verschenken.

Linz - GeburtstagstischMit einem Geburtstagstisch, Torte, Sekt und Ballons feierte Linz den Tag der GFK. Ein vierköpfiges Team des oberösterreichischen Netzwerkes hatte sich auf die Feier des Tages vorbereitet und war schließlich mit Mikrofon und Lautsprecher auf dem Martin Lutherplatz präsent. Das gemeinsame Bedürfnis nach „Austausch und Feiern“ schien sich erfüllt zu haben. In einer Rückschau hieß es: „… es stellten sich angenehme Gefühle, wie Erleichterung, Zufriedenheit, Freude und Stolz ein“.

Insgesamt wurden nahezu 20 Veranstaltungen an die Projektgruppe zum Tag der GFK gemeldet. Mit einer eigener Webseite (www.tag-der-gfk.org) sowie Werbe- und Infomaterialien haben die sechs Aktivisten – die sich aus dem Netzwerk Niederrhein (Melanie und Dirk Bieber), dem Fachverband Gewaltfreie Kommunikation (Petra Porath und Manuela Petzold) sowie Christian Peters und Michael d’Aguiar für den Verein „D-A-CH deutsch sprechender Gruppen für Gewaltfrei Kommunikation“ zusammensetzten – Unterstützung geleistet. Und Unterstützung erfahren! Neben Überraschung für Angela: Post ist da!Spendengeldern für CityCards wurde in dieser Hinsicht auch kräftig angepackt. So entpuppte sich beispielsweise eine vermeintlich kleine Bestellung an Drucksachen bei der Anlieferung als Paketpost im Ausmaß einer Europalette.

„Nach dem Tag der GFK ist vor dem Tag der GFK“, so die Projektgruppe, die sich weiterhin regelmäßig zur Videokonferenz verabredet – „und dabei selbst die GFK mit Leben füllt“, wie Peters betont. „Wir nehmen Anteil, albern über den Bildschirm und entwickeln dabei mit einer unglaublichen Effizienz neue Formate, mit denen wir die GFK noch sichtbarer machen.“ Der nächste Schritt: zu Weihnachten sind neue Motive für CityCards (kostenlose „Spruch-Postkarten“) angedacht, die dann auch auf der Webseite zum Tag der GFK als E-Card verschickt werden können.

Es bleibt also lebendig, in der Zusammenarbeit einer Projektgruppe, die sich in dieser Zusammensetzung noch niemals live begegnet ist und jetzt alles daransetzt, ihr Baby auch 2019 mit Kraft, Freude und Liebe zu begleiten.

Ein Artikel von Michael d’Aguiar
Erstmalig erschienen in der Empathischen Zeit Ausgabe 04/2018.